GFW - Greven

Sparkasse eröffnet Filiale – und stellt ein neues Beratungskonzept vor - Kreditgespräch im Jagdzimmer

Hier erinnert kaum noch etwas an eine Bank: Wohnzimmertisch, Polstersessel, Flachbildschirm – Beratungszimmer im Firmenkundenbereich.

Hier erinnert kaum noch etwas an eine Bank: Wohnzimmertisch, Polstersessel, Flachbildschirm – Beratungszimmer im Firmenkundenbereich.

Greven - Die neuen Beratungszimmer heißen „Niederort“, „Beach“ oder „Sachsenhof,“ hinten bei den Firmenkunden „Golf“ oder „Jagdzimmer“. Die Sparkasse hat die Hauptstelle an der Rathausstraße komplett umgestaltet und rund 2,6 Millionen Euro in Wohnzimmer-Atmosphäre investiert. 

Ein Hirsch an der Wand, ein Hirsch auf dem Sitzkissen, gediegene Polsterstühle am gemaserten Wohnzimmertisch. Glücklich, wer so ein Wohnzimmer hat. Aber dieses „Jagdzimmer“ befindet sich in der Kreissparkasse. Eine dezente Tastatur und ein elektronischer Stift zum Unterschreiben signalisieren: Auch nach dem Umbau geht‘s hier um Geld.

Am Montagabend hatte das Institut vis-à-vis vom Rathaus zur Hausbesichtigung eingeladen. Und Rainer Langkamp, der Vorstandsvorsitzende, schlug Töne an, die man ähnlich am Wochenende ein paar Meter weiter in der Josefkirche auch gehört hatte: Die alte Filiale von 1969, vor 24 Jahren zuletzt renoviert, entsprach nicht mehr der Zeit. Eine große Eingangshalle, abweisende Schalter, wer will das noch? Außerdem war der Energieverbrauch enorm. Und, so Langkamp: „75 Prozent unserer Kunden erledigen ihre Geschäfte heute online.“

Also spart die KSK: 700 Quadratmeter Fläche und über 100  000 Euro Miete pro Jahr, sie holt die Sparkassen Immo ins Haus und die Mitarbeiter der Filiale West ebenso. Sie senkt durch Isolierung, Klimatisierung und LED-Beleuchtung die Energiekosten. Die Umbau-Kosten: 2,6 Millionen Euro.

Doch, was wie Rückzug mit schönen Worten klingt, genau wie bei Kirchens nebenan, ist ein Paradigmenwechsel. Zahlreiche Besprechungsräume, die das Design Studio von Architektin Viki Kitzig entworfen hat, repräsentieren verschiedene Lebensentwürfe der Kundschaft. Vorne heißen sie „Niederort“, „Beach“ oder „Sachsenhof,“ hinten bei den Firmenkunden „Golf“ oder eben „Jagdzimmer“. Man kann zwischen Barhockern, Polstersesseln oder Wohncouch wechsel, die Lärmdämmung verschafft Diskretion. Es gibt Kaffee-Bar und Getränkekühlschrank wie im Hotel. „Die Kunden müssen das Gefühl haben“, sagt Langkamp, „dass wir ein modernes Unternehmen sind.“ Eine Alternative im digitalen Zeitalter.

Für Innen-Architektin Viki Kitzig war es ein spannendes Projekt. Sie ist nach Hamburg gefahren, um vergleichbare Modelle zu finden. Der Gerechtigkeit halber muss man sagen, dass auch die Volksbank in Greven den regionalen Weg im Besprechungsraum gegangen ist. Für Viki Kitzig soll die neue Architektur nach außen signalisieren: „Die Sparkasse ist ein wichtiger Bestandteil der Stadt.“

Quelle: Grevener Zeitung, Artikel von Günter Benning vom 30.01.2019