GFW - Greven

Lebenslang lernen – ein Preis für Anke Keller

Anke Keller hat den Ausbildungsförderpreis erhalten. Sie arbeitet im Grevener Krankenhaus. Foto: Günter Benning

GREVEN. Ihre Ausbildung zur Altenpflegerin hat sie mit 52 Jahren begonnen, im Saerbecker Seniorenzentrum am See. Jetzt arbeitet Anke Keller in der Geriatrie des Maria-Josef-Krankenhauses. Sie ist die bisher älteste Auszubildende, die den Wifo-Ausbildungsförderpreis gewonnen hat.

Welche Berufe haben Sie vorher gelernt?

Keller: Einzelhandelskauffrau im elterlichen Betrieb in Hünxe am Niederrhein. Wir hatten ein großes Textilgeschäft, das ich übernommen habe, bis dann 1996 das Centro in Oberhausen eröffnet hat. Da habe ich die Notbremse getreten. Ich habe verkauft, alles war im Reinen. Und ich bin danach von Beruf zu Beruf weiter gezogen.

Was haben Sie alles gemacht?

Keller: Ich war Personaldisponentin, im Außendienst unterwegs für Textilfirmen. Dann kam ich durch das Arbeitsamt nach Greven, zuerst als Außendienstmitarbeiterin. Aber kaum war ich hier gelandet, wurde der Außendienst eingestellt. Dann habe ich am Flughafen im Check-Inn als Hilfskraft angefangen.

Das war nichts auf Dauer?

Keller: Der Verdienst reichte nicht, ich bin alleinerziehend und habe drei Kinder. Der Jüngste lebt bei mir. Dann habe ich probeweise eine alte Dame gepflegt. Da hat mir das Arbeitsamt gesagt, ich könnte die dreijährige Ausbildung zur examinierten Altenpflegerin machen.

In einem Alter, wo andere das Lernen aufgeben . . .

Keller: Im Prinzip ist das so. Aber ich war beim Caritas-Bildungswerk in Ibbenbüren, und da sind doch einige Ältere mit dabei. An der Schule dort war eine Kollegin, die mit 59 Jahren die Ausbildung beendet hat. Die hatte vorher Pflegehelferin gemacht und wollte es noch wissen.

Und wie gefällt Ihnen der Beruf?

Keller: Im kaufmännischen war der Verkaufszwang wahnsinnig. Man machte vor nichts halt, musste skrupellos sein. Da hab ich mein Gehirn geschrottet. Im Krankenhaus hatte ich ein Praktikum gemacht – und die haben mir sofort gesagt, wenn Sie kommen wollen, kommen sie. Der Umgang mit Menschen bringt mir viel.

Und Sie lernen auch noch weiter?

Keller: Sicher, im Krankenhaus kommt noch der medizinische Bereich hinzu. Und ich bereite mich auf ein Fernstudium in der Pflegeberatung vor. Ob es der Pflegeberuf ist, oder im Handwerk oder im kaufmännischen – man kann immer was Neues machen. Und weiterkommen.

Quelle: Grevener Zeitung, Artikel von Günter Benning vom 26.11.2018