GFW - Greven

Felix und Jens Fiege über den Neubau in Reckenfeld und Pläne am FMO

Felix und Jens Fiege, Greven

Da lacht das Unternehmerherz: Felix und Jens Fiege (v.l.) mit Bildern vom Soccer-Turnier in Polen. Nächstes Jahr wird in Greven um den Fiege-Pokal gekämpft. Foto: Günter Benning

GREVEN. Jens und Felix Fiege gehören zur fünften Fiege-Generation, die in Greven den internationalen Logistik-Konzern lenken. Sie sind Mitglieder des vierköpfigen Konzern-Vorstandes. Unser Redaktionsmitglied Günter Benning sprach mit ihnen über die Entwicklung der Fiege-Standorte in Greven und Reckenfeld.

Ihr Neubau in Reckenfeld ist schon während der Bauarbeiten in Betrieb gegangen?

Jens Fiege: Ja, die ersten beiden Hallen sind fertig. Das war auch wichtig, für das Black-Friday-Geschäft im November und auch für Weihnachten. Wir können die Hallen schon jetzt für den Mediamarkt nutzen, um andere Standorte zu entlasten.

Wie viele Pakete werden dort abgearbeitet?

Jens Fiege: Aktuell sind es 25 000 täglich – im Schnitt. Das soll jetzt natürlich bis Weihnachten noch wachsen. In der letzten Ausbaustufe werden es dann täglich bis zu 90 000 Pakete sein. Das ist die Schallgrenze.

Während der Bauzeit weiterzuarbeiten war sicher nicht einfach?

Jens Fiege: Wir hatten nie wirklich einen Betriebsstopp, das war eine irre Herausforderung. Während des Umbaus wurde ein Teil der Anlage abgerissen, da sind manche Abteilungen mehrfach umgezogen. Teils wurde der Altbau saniert, teils ging man in den Neubau. Da müssen wir der Mannschaft ein Riesenkompliment machen, die in der Umbauzeit schier Unmenschliches geleistet hat.

Im Vorfeld wurde daran gezweifelt, ob Sie genügend Mitarbeiter für den neuen Betrieb finden. Von 500 Jobs ist die Rede. Wie entwickelt sich das?

Felix Fiege: Bislang gut. Es sind bisher zirka 100 Leute neu eingestellt worden. Aber es ist in der Tat die größte Herausforderung für uns an den allermeisten Standorten. Gute Angebote und attraktive Arbeitsbedingungen sind für die Rekrutierung sehr wichtig.

Man muss ja schon auf einen Arbeitskräfte-Fundus zugreifen können. Wo kommen Ihre Leute her?

Felix Fiege: Spannenderweise sind ganz viele von denen, die hier angefangen haben, ehemalige Mitarbeiter. Wir haben in Reckenfeld auch schwierige Zeiten erlebt, vor einigen Jahren gab es eine Teilschließung des Speditionsbereichs, und wir mussten dabei eine Reihe von Mitarbeitern entlassen. Das ist uns nicht leicht gefallen, aber wir haben das damals in einer fairen Art hinbekommen. Jetzt haben sich viele von denen gemeldet und gesagt, wir sind gerne wieder dabei. Obwohl viele von ihnen anderswo wieder einen Job gefunden hatten! Sie arbeiten gern bei Fiege, das hat uns sehr gefreut. Ansonsten machen unsere Mitarbeiter Werbung bei Freunden, Sportskameraden, Verwandten. Das hilft sehr.

In der Grevener Politik wird immer wieder geklagt, die Logistikbranche zahle nicht gut. Gerade hier im Airportpark wünscht man sich keinen Niedriglohnsektor. Zahlen Sie wirklich so schlecht? Und stehen Sie im Wettbewerb um Mitarbeiter mit den anderen Logistikern in Greven?

Jens Fiege: Wir zahlen gut und fair. Logistik ist kein Dumping-Lohn-Sektor, sondern es ist ein durch Tarife organisierter Sektor. Aber die Branche wird oft in die Schmuddelecke gestellt. Tatsächlich gibt es auch schwarze Schafe, viele, die von der Hand in den Mund leben. Aber in den größeren Betrieben – auch bei DHL oder Hermes – werden gute und faire Löhne bezahlt. Tatsächlich gibt es einen gewissen Wettbewerb zwischen den Betrieben. Aber da geht es weniger um Löhne, sondern eher um Betriebsklima, Aufstiegs- und Weiterbildungsmöglichkeiten.

In Ibbenbüren wird gerade die Zeche geschlossen. Können Sie dort Mitarbeiter finden?

Jens Fiege: In Ibbenbüren haben wir ja einen größeren Standort. Da sind einige Leute, die durch den Strukturwandel neue Berufsfelder suchen. In Greven ist das anders. Greven wächst, weil es der Wirtschaft gut geht. Das zieht Leute an. Wir haben die Hoffnung, dass wir hier in Greven auch weiter wachsen können.

Felix Fiege: Wir haben als Familienunternehmen sicher einen Vorteil gegenüber vielen anderen. Mit den Werten, für die ein familiengeführtes Unternehmen steht: Verlässlichkeit, Sicherheit und ein familiärer Umgang miteinander. In der Firmenkultur setzen wir ganz bewusst darauf. Familie, das halten wir hoch, es ist uns wichtig. Fiege wird auch in Zukunft ein Familienunternehmen bleiben.

Sie spielen mit ihren Mitarbeitern international Fußball?

Felix Fiege: Ganz wichtig. Unser Soccer-Cup ist ein Riesenthema für alle. Jede Niederlassung stellt ein Team. Der Vorjahresgewinner richtet das Turnier aus, wir waren die letzten drei Jahre deshalb in Polen. Beim letzten Mal haben wir den Pott nach Hause geholt. Nächstes Jahr richten wir das Turnier mit über 40 Mannschaften in Greven aus.

Wo trainieren Sie?

Felix Fiege: Auf dem 09er-Platz.

Und spielen die Chefs selbst mit?

Jens Fiege: Klar, ich habe zwei Tore geschossen, Felix eines. Aber wenn Sie glauben, es gäbe einen Chef-Bonus, täuschen Sie sich. Ich glaube, für die Gegenspieler war es die Höchststrafe, vom Chef ein Tor reingeschoben zu bekommen. Die haben uns härter rangenommen als alle anderen.

Draußen in der Eingangshalle steht ein Modell der Fiege-Verwaltung. Da ist neben dem Turm noch ein Verwaltungsgebäude mit drei Flügeln zu sehen. Ist das noch geplant?

Jens Fiege: Das ist eine Option. Aber eigentlich sind wir eine sehr dezentral organisierte Firma. Wir versuchen das, was wir hier am Standort FMO machen, möglichst schlank zu halten. Das Geschäft, auch der Vertrieb, spielt sich an den Standorten ab. Da spielt die Musik. Da laufen die Kundengeschäfte. Gewisse Dinge wie Finanzen muss man zentralisieren, auch Bereiche wie das Engineering, also die Beschäftigung mit neuen Techniken wie Robotertechnik wird hier gebündelt.

Nebenan im Airportpark haben Sie noch ein Grundstück für ein Forschungs-Logistikzentrum.

Felix Fiege: Ja, ein Forschungs-Lab mit operativem Geschäft. Wir wollen dort neue und innovative Technologien einsetzen wie Roboter oder Datenbrillen.

Jens Fiege: Wir überlegen jetzt, die ersten Drohnen im Lager einzusetzen, die Inventur machen können und feststellen, was vorhanden ist. Die fliegen mit Kameras durch die Hallen und erleichtern demjenigen, der sonst die Ware kontrolliert, die Arbeit.

Und das wollen Sie hier machen?

Felix Fiege: Das wollen wir hier bündeln, so dass wir vielleicht verschiedene Technologien testen können. Da geht es um die Logistik der Zukunft.

Wann soll das geschehen?

Jens Fiege: Im Moment bauen wir in Reckenfeld ziemlich viel Fläche auf. Dort gibt es noch Ausbaureserven für ein Wachstum des Bestandsgeschäftes. Sobald Reckenfeld voll ist, wird das hier zu einer konkreten Option. Aber auch da sind wir eher familienorientiert und zurückhaltend. Wenn der Bedarf da ist, bauen wir. Vielleicht in zwei, drei Jahren.

Greven bleibt für Sie wichtig?

Felix Fiege: Ja, das ist unsere Heimat. Hier bleiben wir.

 

Quelle: Münstersche Zeitung, Artikel von Günter Benning vom 6. Oktober 2018