GFW - Greven

Ein Besuch bei der Buchhändlerin Ingrid Edelkötter: Die Vielfalt des Geistes im Regal

Das Spezialgebiet der Buchhändlerin Ingrid Edelkötter ist das Kinder- und Jugendbuch

Das Spezialgebiet der Buchhändlerin Ingrid Edelkötter ist das Kinder- und Jugendbuch

Greven - In unserer Reihe über Ausbildungsberufe in Greven stellen wir diesmal den Beruf der Buchhändlerin vor. 

„Dann habe ich die im Blick“, sagt Ingrid Edelkötter und schaut durch die halbgeöffnete Tür des Personalraums. Mit „die“ sind ihre Kunden gemeint, die nach Geschichten suchend im Obergeschoss der Buchhandlung Cramer & Löw auftauchen könnten.

Ingrid Edelkötter ist Buchhändlerin – inzwischen seit 40 Jahren. „1980 habe ich meine Ausbildung gemacht“, sagt sie, „und seitdem bin ich auch fast durchgängig hier in der Buchhandlung.“

Mit ihrer weichen, aber begeisterten Stimme hätte sie auch gut Hörbuchsprecherin werden können. Sie holt aus: „Angefangen habe ich mit riesigen Katalogen, in denen das Sortiment verzeichnet war. Damit konnte man schon beeindrucken, wenn man in diesen Wälzern das passende Buch gefunden hat.“

Inzwischen arbeitet sie mit digitalen Katalogen, und auch das Lagersortiment wird per Computer erfasst. „Aber auch ein PC ist nur so gut, wie man ihn sein lässt“, erklärt sie, „mit Informationen müssen wir ihn selbst füttern.“

Da gelte nach wie vor der Grundsatz: „Man muss nicht alles wissen, nur wo man es finden kann.“

Ihre Kunden seien viel informierter geworden. „Die wissen oft schon sehr genau, was sie wollen und haben sich bereits online informiert“, so Edelkötter.

Wo sie früher hauptsächlich das passende Buch gesucht habe, legt sie heute viel Wert auf die Präsentation der Waren. „Wir möchten nicht nur Bestseller-Stapelware präsentieren wie die großen Kaufhäuser, sondern unsere Kunden mit einem anspruchsvolleren und differenzierterem Angebot inspirieren“, sagt die Buchhändlerin, „Bestseller haben ihre Existenzberechtigung, aber sind eben nicht für jeden.“

In der Präsentation sehe das vielleicht etwas chaotischer aus, aber eben auch persönlicher oder: „Das ist die Vielfalt des Geistes im Regal.“

Aus den zig Veröffentlichungen, die jedes Jahr auf den Buchmarkt geschwemmt werden, eine Auswahl zu treffen, ist nicht einfach.

„Ich lese schon viel, aber klar auch nicht alles“, sagt Ingrid Edelkötter und blickt auf die vollen Bücherregale, „ich grenze das etwas ein. Mein Fachgebiet ist das Kinder- und Jugendbuch.“

Mit Verve spricht sie über Kinderliteratur: „Ein gutes Kinderbuch begeistert jeden Erwachsenen. Die darin beschriebenen Problematiken sind so nah am kindlichen Denken geschrieben, dass Eltern und Lehrer einen neuen Einblick in das kindliche Denken erhalten können.“ Und das Kinderbuch habe noch einen Vorteil. „Man bleibt am Puls der Zeit.“

Hat sie sich einen Überblick verschafft, stehen Gespräche mit den Vertretern der Verlage an. „Die lebendigen Diskussionen über die Bücher beim Einkauf machen besonders viel Spaß“, meint sie.

Die persönliche Auswahl und Ansprache der Kunden ist für die passionierte Buchhändlerin auch der Versuch, gegen den Internethandel und die Großketten zu bestehen.

„Ich bin kein Algorithmus der nur, weil ein Kunde Buch A gekauft hat, davon ausgeht, dass er Buch B kauft“, sagt Ingrid Edelkötter, „ich berate von Antlitz zu Antlitz und kenne meine Kunden oft schon seit vielen Jahren.“ In einem Online-Callcenter für Bücher zu arbeiten, wäre für sie furchtbar.

Außerdem könne der stationäre Buchhandel mit erhöhtem Datenschutz, Attraktivität für die Innenstädte und schneller Lieferung punkten. „Wer bei uns abends bestellt, kann das Buch am nächsten Morgen ab halb zehn abholen“, so Edelkötter, „das schaffen Amazon und DHL auch nicht schneller.“

Viele wüssten auch nicht, dass Bücher in Deutschland nach wie vor der Preisbindung unterliegen. „Ein neues Buch kostet überall gleich viel“, sagt sie.

Ein ganz besonderes Buch hat sie seit Kurzem auch im Sortiment. „Ja, das war eine amüsante Aktion“, sagt Ingrid und blättert durch das Pixiebuch, in dem sie die Protagonistin ist. „Wir arbeiten schon seit vielen Jahren mit dem Carlsen-Verlag zusammen, die eine Reihe herausgeben „Ich habe eine Freundin, die ist...“

Und sie ist eben die Buchhändlerin. Es fühle sich schon seltsam an, plötzlich selbst in einem Buch zu stehen. Aber sie hoffe, dass das Buch Kinder für den Buchhandel begeistern könne. „Bei manchen besteht ja eine gewisse Schwellenangst“, erklärt sie, „aber wenn sie mich sehen und in dem Buch entdecken, dann stellt sich vielleicht ein Wiedererkennungseffekt ein.“ Nur eines stört sie an der Geschichte: „Ich trage nie einen Rock."

 

Quelle: Grevener Zeitung, Artikel von Felicia Klinger vom 03.04.2019