GFW - Greven

Der aufgeklebte Wald

Dieter Vogt ist in der Wirtschaftsförderung für das Grundstücksmanagement zuständig. In seiner Freizeit baut er Greven-Geo-Kreisel (r.). FOTO: GÜNTER BENNING


Dieter Vogt hat ein Gespür bei komplizierten Grundstücksgeschäften

GREVEN. Früher war nicht alles besser. Als Dieter Vogt vor 36 Jahren als Vermessungsingenieur bei der Stadt Greven anfing, wunderte er sich über einen Luftbild-Atlas: „Da, wo heute die Philipp-Manz-Straße ist, stand ein Wald." Natürlich stand da kein Wald, sondern ein Bundeswehr-Depot. Der Wald war aus Sicherheitsgründen ins Bild geklebt worden. Fake-News von gestern.

Vogt ist der Herr der Grevener Geodaten. In seinem Büro auf dem Flur der Wirtschaftsförderung fließt zusammen, was geografisch über Greven zu sagen ist: „So ein eingeklebter Wald wäre heute nicht mehr denkbar", sagt er. Google Maps, das Geoportal des Landes — die Vermessung und Verfilmung der Welt bringt Fakten ans Licht, die für die Stadt wichtig sind.

Einfaches Beispiel: „Wir haben die Wöste mit einer Drohne befliegen lassen, um festzustellen, wie viel versiegelte Flächen es dort gibt", sagt Vogt. Vom Ergebnis hängt die Höhe der Abwassergebühren ab.

Schwieriger Tausch

Wen man auch in der Kommunalpolitik fragt, Dieter Vogt wird gelobt. Vielleicht hängt das mit der eher bescheidenen Art des Ingenieurs zusammen, der in seiner Freizeit gerne wandert. Seine Kunst ist gefragt, wenn es um komplizierte Grundstücksgeschäfte geht, mit vielen Besitzern und noch mehr Interessen.

Beispiel: Wöste. „Da hatten wir 100 Grundstücksbesitzer." Deren Grundstücke wurden erfasst, nach einem penibel festgelegten Verfahren umgelegt: „Am Ende gehörte der Grund immer noch diesen 100 Besitzern. Aber durch die Umwandlung in Bauland war der Wert gestiegen — auch wenn für Straßen und Spielplätze etwa ein Drittel der Grundstücke abgegeben wurden.

Auch bei der Erweiterung der Entsorgungsfirma Ahlert in Reckenfeld mussten jüngst landwirtschaftliche Flächen neu verteilt werden. „In der Regel sägen die Bauern, ja, aber dann wollen sie für zwei Hektar natürlich am liebsten vier oder fünf Hektar wieder haben", sagt Vogt.

Für solche Fälle besitzt die Stadt derzeit 40 Hektar Tauschflächen, aber das Geschäft ist in den vergangenen Jahren schwieriger geworden. Der gegenwärtige Bodenrichtwert für Ackerland liegt bei sieben Euro pro Quadratmeter. Vor „sieben, acht Jahren waren es vier Euro". Die Ressource Land wird knapp.

Informationsnetze

Mit digitalen Karten kann Vogt heute die Greven Flächen genau analysieren: „Die Luftaufnahmen zeigen alles bis auf Kanaldeckelgröße."
Was die Sache spannend macht, ist die Verknüpfung mit anderen Daten. Zum Beispiel Informationen über die Bodengüte (wichtig für den Preis). Oder über das Alter der Grevener Bevölkerung. Im Flur der Wirtschaftsförderung hängt eine Karte, die verräterisch ist. Soviel kann man sagen: Am ältesten sind die Anwohner des Franz-Felix-Sees.
Der Run auf Grundstücke ist im Moment enorm, sagt Vogt. Was die Wohnbebauung angeht, kann er sagen, „es ist alles abverkauft." Bei den Reserven für Gewerbeflächen ist „noch einiges in der Pipeline". Nämlich in den Gebieten, in denen schon heute Gewerbe zulässig ist.

Dieter Vogt (63) wird zum Jahresende in den Ruhestand gehen. „Ein Nachfolger ist schon gefunden", sagt er. Wie der Geodatenservice im kommenden Jahr organisiert wird, muss die Stadt entscheiden. Vogt kann dann seinem Hobby nachgehen.

Er baut kleine Kreisel in der Form des Grevener Stadtgebietes, oder des Kreises Steinfurt. Zauberwerk?

„Nein", sagt er, „ich habe eine CNC-Fräse und den Mittelpunkt errechnet eine Software." Der geografische Mittelpunkt von Greven liegt übrigens beim Hotel Bönstrup in der Kroner Heide.
Günter Benning
Interessante Geolinks finden Sie online unter wn.de/greven

Quelle: Grevener Zeitung, 01.08.2018