GFW - Greven

Bunsieck & Partner: Fachkräfte finden: Geflüchtete im Handwerk

GFW Greven mbH

Fachkräfte finden: Geflüchtete im Handwerk

Bunsieck & Partner

„Ohne Vorurteile und Hemmungen auf Geflüchtete zugehen.“

UNTERNEHMENSPROFIL

  • Elektrohandwerk
  • Gründung: 1990
  • Beschäftigte: 28
  • Geschäftsführung: Michael Fliß, Sven Lindemann, Georg Westermann
  • Das Unternehmen betreut komplexe Lösungen in den Bereichen der Telekommunikation, mobilen Kommunikation, Netzwerktechnik sowie Dienstleistungen in verschie­denen Branchen. Ein Schwerpunkt ist der Gesundheitsmarkt sowie der Mittelstand.

GUTE PRAXIS

Kurz vor dem Abschluss seines elektrotechnischen Studiums musste der 27-jährige Omar Khalil vor drei Jahren zusammen mit seinen Eltern aus dem nordsyrischen Aleppo fliehen. Heute ist er im Unternehmen Bunsieck & Partner im zweiten Ausbildungsjahr zum Elektro­niker, Schwerpunkt Informations- und Telekommunikationstechnik.

In der Berufsschule ist er Klassenbester und Deutsch spricht er fast fließend. „Ich mag die deutsche Sprache. Viele ihrer Sprichwörter kenne ich schon aus meiner arabischen Muttersprache“, bricht es aus Omar Khalil wie ein Begeisterungssturm über Deutschland zu Beginn unseres Interviews heraus.

„Dabei konnte Omar Khalil sechs Monate nach seiner Flucht beim Vorstellungsgespräch kaum ein Wort Deutsch“, erklärt sein Chef Sven Lindemann. „Wir haben uns deshalb bei diesem ersten Kontakt in Englisch ausgetauscht“, fügt der Ausbilder hinzu. Der Austausch in deutscher Sprache sei jedoch von Anfang an die Voraussetzung für eine Ausbildung des Geflüchteten in seinem Betrieb gewesen. Der junge Mann besuchte deshalb in den noch verbleibenden vier Monaten bis zum Beginn der mit dem örtlichen Jobcenter vereinbarten Einstiegsqualifizierung einen Sprachkurs.

„Tatsächlich war in den ersten Monaten seiner Tätigkeit bei uns die Kommunikation noch etwas holprig“, erklärt Lindemann. „Doch gerade der Besuch der Berufsschule und der Austausch im Betrieb haben mich sprachlich schnell nach vorne gebracht“, fügt Omar Khalil hinzu. Das Einstiegsqualifizierungsjahr verlief für den Geflüchteten so erfolgreich, dass er danach direkt ins zweite Ausbildungsjahr wechseln konnte. „Jetzt, da ich die Spra­che beherrsche, fühle ich mich in der Berufsschule fachlich etwas unterfordert“, erzählt Khalil, denn die Inhalte seien für ihn die Grundlagen seines Studiums in Syrien gewesen. Der Gedanke, nach der Berufsausbildung zum Elektroniker ein Studium zum Elektro-Inge­nieur anzuschließen, liegt ihm deshalb nicht fern.

Auch Sven Lindemann ist sich darüber im Klaren, dass die enormen Potenziale seines Lehrlings derzeit in der Ausbildung nicht voll ausgeschöpft werden. Er fördert ihn deshalb durch zusätzliche Fachlehrgänge und bindet ihn auch durch seine tatkräftige Hilfe bei Behördengängen, bei der Wohnungssuche oder der Anerkennung von in Syrien erwor­benen Qualifikationen an sein Unternehmen. Sogar einen Dienstwagen stellt er ihm in Aussicht. „Omar Khalil ist für mich als Fachkraft eine wirklich große Chance. Er ist moti­viert, überaus lernbereit und beliebt. Da setze ich alles in Bewegung, um ihm eine dauer­hafte Perspektive in meinem Unternehmen zu bieten.“ Anderen Betrieben möchte er mit dem Beispiel von Omar Khalil und dessen rasanter beruflicher Entwicklung Mut machen, ohne Vorurteile und Hemmungen auf Geflüchtete zuzugehen. „Das bringt beiden Seiten Gewinn“, kann er aus Erfahrung dazu sagen.

KONTAKT

Bunsieck & Partner GmbH, Sven Lindemann, Mergenthalerstraße 10, 48268 Greven, Telefon 02571 918180, s.lindemann

 

Quelle: HWK Münster